03.01.2026, 21:04
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.01.2026, 21:06 von Aeneas Graves.)
Mit quietschenden Bremsen fuhr der Zug in den Bahnhof ein und die altmodischen Wagons wurden ruckelnd langsamer. Geistesgegenwärtig streckte Aeneas die Hand aus, um sich an der harten Holzbank festzuhalten, auf der er den letzten Abschnitt der Reise zurückgelegt hatte. Das hier war kein Luxuszug, wie man ihn aus dem Kapitol kannte, sondern ein ganz banaler Gütertransport, in den er an der Grenze von Distrikt 2 umgestiegen war. Ein Wunder, dass er nicht zwischen unbearbeiteten Holzstämmen auf der Ladefläche hatte sitzen müssen, dachte der junge Mann trübsinnig, als er sich aufrappelte und seine weiße Uniform glatt strich. Er hatte nicht darum gebeten, hierher geschickt zu werden und noch immer sträubte sich innerlich alles in ihm dagegen, aber das war kein Grund, diesen Landeiern mit seinem Erscheinungsbild einen falschen Eindruck von sich selbst oder dem Distrikt aus dem er kam, zu vermitteln. Mit den Fingern fuhr er sich dann über das sorgsam geglättete dunkle Haar, das in seinem Naturzustand belassen sofort in seine krause Form zurückgekehrt wäre, reckte das Kinn und stieg die Stufen des Wagons hinab. Von dort sprang er auf den Bahnsteig, um sich in seiner neuen Zwangsheimat umzusehen.
Mit einem dumpfen Knall landeten seine polierten Stiefel auf den hölzernen Dielen und er beschattete die Augen, um sie vor dem plötzlichen Sonnenlicht zu schützen.
Meine Güte, ich bin wirklich in der abgelegensten Provinz Panems gelandet!
Es war noch schlimmer, als er es sich ausgemalt hatte. Das Bahnhofsgebäude war wenig mehr als ein Unterstand aus Holzbrettern. Arbeiter mit hochgekrempelten Ärmeln liefen über das Bahnsteig, lautstark wurden die Türen der Wagons aufgeschoben und man begann, auszuladen. Jenseits der Schienen begann die Siedlung, doch nirgendwo sah Aeneas ein Haus mit mehr als zwei Stockwerken.
Im Vergleich zum wohlhabenden Distrikt 2 mit seinen monumentalen Bauten und dem hübsch hergerichteten Platz vor dem Bahnhof wirkte alles hier ärmlich und abgenutzt.
Er wusste zwar, dass seine Versetzung hierher eine Disziplinarmaßnahme darstellte, doch bis zum jetzigen Augenblick hatte er nicht verstanden, was sie wirklich zu bedeuten hatte. Um ihn herum herrschte Geschäftigkeit, aber niemand beachtete ihn. Scheinbar war er soweit abseits jeder Zivilisation gelandet, dass noch nicht einmal seine Uniform diesen Leuten Respekt einflößte.
Schlagartig begann er seinen Heimatdistrikt zu vermissen, als ihm klar wurde, dass es nicht einmal jemanden gab, der ihn in Empfang zu nehmen gedachte. Mit einem Seufzen, in dem das Selbstmitleid deutlich zu hören war, lud er seinen schweren Seesack von der Schulter und zog den offiziellen Meldebefehl aus der Brusttasche der Jacke, um diesem hoffentlich zu entnehmen, wo er hin musste.
Da fiel ihm eine junge Frau auf, die gerade seinen Weg kreuzte.
Sie musste etwa in seinem Alter sein, hatte brünettes Haar, war von schlanker Gestalt und hatte die größten rehbraunen Augen, die er je gesehen hatte. Obwohl sie zielstrebig dahinschritt, wirkte sie gedankenverloren, fast entrückt, als würde sie gleich davon schweben.
Kurzerhand beschloss Aeneas, sie einzufangen bevor das passieren konnte.
„Hey, warten Sie, Miss!“, rief er ihr mit lauter, befehlsgewohnter Stimme hinterher.
Mit einem dumpfen Knall landeten seine polierten Stiefel auf den hölzernen Dielen und er beschattete die Augen, um sie vor dem plötzlichen Sonnenlicht zu schützen.
Meine Güte, ich bin wirklich in der abgelegensten Provinz Panems gelandet!
Es war noch schlimmer, als er es sich ausgemalt hatte. Das Bahnhofsgebäude war wenig mehr als ein Unterstand aus Holzbrettern. Arbeiter mit hochgekrempelten Ärmeln liefen über das Bahnsteig, lautstark wurden die Türen der Wagons aufgeschoben und man begann, auszuladen. Jenseits der Schienen begann die Siedlung, doch nirgendwo sah Aeneas ein Haus mit mehr als zwei Stockwerken.
Im Vergleich zum wohlhabenden Distrikt 2 mit seinen monumentalen Bauten und dem hübsch hergerichteten Platz vor dem Bahnhof wirkte alles hier ärmlich und abgenutzt.
Er wusste zwar, dass seine Versetzung hierher eine Disziplinarmaßnahme darstellte, doch bis zum jetzigen Augenblick hatte er nicht verstanden, was sie wirklich zu bedeuten hatte. Um ihn herum herrschte Geschäftigkeit, aber niemand beachtete ihn. Scheinbar war er soweit abseits jeder Zivilisation gelandet, dass noch nicht einmal seine Uniform diesen Leuten Respekt einflößte.
Schlagartig begann er seinen Heimatdistrikt zu vermissen, als ihm klar wurde, dass es nicht einmal jemanden gab, der ihn in Empfang zu nehmen gedachte. Mit einem Seufzen, in dem das Selbstmitleid deutlich zu hören war, lud er seinen schweren Seesack von der Schulter und zog den offiziellen Meldebefehl aus der Brusttasche der Jacke, um diesem hoffentlich zu entnehmen, wo er hin musste.
Da fiel ihm eine junge Frau auf, die gerade seinen Weg kreuzte.
Sie musste etwa in seinem Alter sein, hatte brünettes Haar, war von schlanker Gestalt und hatte die größten rehbraunen Augen, die er je gesehen hatte. Obwohl sie zielstrebig dahinschritt, wirkte sie gedankenverloren, fast entrückt, als würde sie gleich davon schweben.
Kurzerhand beschloss Aeneas, sie einzufangen bevor das passieren konnte.
„Hey, warten Sie, Miss!“, rief er ihr mit lauter, befehlsgewohnter Stimme hinterher.



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